Esports und die Auswirkungen auf die PR- und Kommunikationsbranche

12.10.2019

 

Am Donnerstag, 10. Oktober 2019, setzten sich zahlreiche Mitglieder der BPRG im Bildungszentrum Feusi Bern an die Pulte. Das Thema des Oktober-Events war Esports: Sport, der elektronisch, also am PC oder an der Konsole, ausgeübt wird. Wieso ist Esports so erfolgreich? Was hat das eigentlich mit Sport zu tun? Und was mit Marketing? Diesen Fragen wollten wir gemeinsam mit Richard Hurni, Managing Partner und Gründer der Agentur by the way communications AG und Cédric Schlosser, Urgestein des Schweizer Esports, Betriebsökonom FH und Gründer des erfolgreichsten Schweizer eSports Team MYI Entertainment, auf den Grund gehen.

 

Was du in diesem Artikel erfährst:

…dass auch Zocken Sport ist.

…dass man nicht Digital Native sein muss um mit Esports Erfolg zu haben.

…warum Esports aus dem Marketing nicht mehr wegzudenken ist.

…wie Esports sich so rasant als globaler Grossmarkt etablieren konnte.

…wie du und dein Brand Esports konkret nutzen kannst.

 

Ist das überhaupt Sport?

Sie gammeln den ganzen Tag in Jogginghosen vor der Glotze und stehen nur auf um die Pizzalieferung entgegenzunehmen – etwa so stellen sich die meisten Leute jemanden vor, der mindestens fünf Stunden täglich zockt. Doch nichts dergleichen: Das erste Schweizer Profiteam (im Spiel «League of Legends») verfügt sowohl über einen Ernährungsberater als auch über einen Fitnesstrainer, der sechsmal die Woche mit ihnen ins Fitnesszentrum geht. Esports sei vergleichbar mit Tennis: In mehreren Sätzen, die bis zu drei Stunden gehen können, treten die Teams oder Einzelsportler gegeneinander an. Um so lange aufmerksam und reaktionsschnell zu bleiben sind körperliche wie auch geistige Fitness essentiell.

 

Digital Immigrants zeigen, wie’s geht.

Vor drei Jahren hatte er selbst noch keine Ahnung von Esports, heute ist er mit seiner Firma by the way communications international erfolgreich – Richard Hurni kommt ursprünglich aus dem traditionellen PR-Management. Als er an einer Firmenpräsentation von zwei jungen Deutschen gefragt wurde, was PR überhaupt sei, war für ihn der Anstoss zum Umdenken gekommen. Die Firma nahm dann zu ihren bestehenden Fachbereichen das Personality Management (Online- und Social Media-Vermarktung bekannter Persönlichkeiten wie Nico Hischier oder Dean Schneider) und Esports hinzu. Mit Hilfe seiner beiden Kinder schaffte Hurni via Mario Kart und Minecraft sogar selbst den Einstieg ins Gaming. Fazit: Erstaunlich einfach.

 

Was hat Gaming mit Marketing zu tun?

Erst kürzlich haben die Werbeinvestitionen in Onlinemarketing jene der Printmedien überstiegen. Die Marketing- und Kommunikationsagenturen müssen agil bleiben und sich auf diese Veränderungen einlassen, betont Hurni. Die Digitalisierung stelle keine Gefahr, sondern eine Chance mit vielen Möglichkeiten dar. Esports im Besonderen bietet sich geradezu an: Knapp 200 Millionen sogenannte «eSports Enthusiasts» schauen wöchentlich Videos auf YouTube oder Twitch, der weltweit grössten Esports-Streamingplattform. Twitch verzeichnet täglich 15 Millionen User, die im Schnitt 106 Minuten auf der Plattform verbringen. Die potentielle Reichweite durch Sponsoring der Teams und Sportler ist also immens und zahlreiche Schweizer Firmen nutzen sie bereits: RedBull, Blick, Feldschlösschen, Basler Versicherungen, UPC, Post und TCS sind nur einige der Unternehmen, die im Esports bereits erfolgreich Fuss gefasst haben.

 

Rasanter Aufstieg

Cédric Schlosser ist das Sinnbild des Digital Native schlechthin: Der gelernte Bankfachmann ist Gründer der Firma MYI Entertainment und Co-Veranstalter zahlreicher Schweizer Gaming- und Esportsevents wie das Hero-Fest, Helix oder TCS Esports. Zu diesen Events gehört auch die grösste LAN-Party der Schweiz: Was 2009 mit einer gemütlichen Gaming-Runde mit 20 Teilnehmenden begann, ist heute mit 2'004 Spielern die grösste LAN-Party der Schweiz. Dieser Wandel steht repräsentativ für die globale Entwicklung des Esports: Alleine in der Schweiz werden jedes Jahr Preisgelder im Wert einer Viertelmillion ausgeschüttet, der Umsatz weltweit beträgt doppelt so viel wie der Hollywoods.

 

Woher kommt der Blitzerfolg?

Eine berechtigte Frage mit vielen Antworten. Eine davon ist, so Schlosser, dass der Wettkampf von Anfang an im Interesse der Gamehersteller sei, da die Spieleranzahl sich direkt auf den Gewinn auswirkt. Die Gameentwickler übernehmen zugleich auch die Funktion von Verbänden. Dies schlägt sich auch in den Zahlen nieder; die populärsten Esports-Games haben über acht Millionen MAUs (Monthly Average Users). Valve, eine der drei grössten Gameentwicklungsfirmen weltweit, macht jährlich vier Milliarden US-Dollar Umsatz – und das bei 400 Mitarbeitenden.

 

Was können Brands nun konkret machen?

Was kann man jetzt also tun, wenn man als Brand ins Esports-Business einsteigen will? Prinzipiell gibt es vier Herangehensweisen:

  • Selber Events veranstalten.
  • Aktives Sponsoring: Spezielle Aktion wie Ovomaltine, die das Hero Fest mit 12'000 Ovo-Rocks geflutet haben. Dies sorgt noch ein Jahr danach für User Generated Content.
  • Aussergewöhnliches Esports-Projekt entwerfen, um in der Schweizer Esports-Szene als einzigartig wahrgenommen zu werden.

 

Fazit: Wer nun den Schritt ins Esports-Geschäft wagen will, hat viele Möglichkeiten. So oder so wird Gaming- und Esports-Marketing Printwerbung wohl in den nächsten Jahren ablösen. Daher ist es für jede PR-Firma lohnenswert, sich zumindest über potentielle Einsatzgebiete schlau zu machen.

 

Nach dieser ganzen Theorie durften die Eventteilnehmer schliesslich auch selbst Hand anlegen: Während des Apéros wurden sie an mehreren Gamestationen von professionellen Esportlern in die Kunst des Gaming eingeführt. Wer weiss, vielleicht wird ja aus dem ein oder anderen PR-Spezialisten doch noch ein Profi-e-Sportler?

Zu den Bildern des Anlasses vom 10. Oktober 2019

Autorin: Léonie Stalder

 

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