«Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag» – Im Gespräch mit Francine Jordi

13.02.2020

Normalerweise füllt sie Hallen mit Tausenden von Zuschauern, doch am Februar-Event der BPRG kommt sie zum gemütlichen Talk in die Mahogony Hall: Seit 22 Jahren ist Francine Jordi leuchtender Stern am Schweizer Schlagerhimmel. Mit Jean-Claude Galli spricht sie über die Entwicklung der Schlagerszene, neue Medien und ihren Plan B.

Es ist kein Geheimnis: Schlagermusik polarisiert ungemein. So sind doch einige der Besucher-/innen des Anlasses eher kritisch eingestellt, als Schlager-Star Francine Jordi die Bühne betritt. Doch mit ihrer frischen und ehrlichen Art zieht die gebürtige Bernerin das BPRG-Publikum schnell auf ihre Seite.

«Es ist eine Musik, die den Leuten direkt ins Herz geht – zumindest denen, die es zulassen.»

Was für Francine Jordi den Schlager so besonders macht, sind die eingängigen Texte, der tanzbare Rhythmus und die Positivität – die Lieder sind allesamt in Dur. Fast jede/r verlässt ein Schlagerkonzert mit einem Lächeln im Gesicht und Streitereien oder gar Schlägereien gibt es so gut wie gar nicht. Das ist womöglich auch der grossen Bandbreite ihrer Fans geschuldet: Der Altersrange reicht von kleinen Kindern bis Senioren, lediglich Teenager haben zwischenzeitlich das Bedürfnis, coolere Musik zu hören. Aber mit Anfang 30 kommen sie dann meist zurück zum Schlager. Dieses breite Publikum ist auch etwas, was Francine Jordi am Schlager liebt: «Vor kurzem war ein Mann mit auf dem Schiff, der über hundert Jahre alt war, der zu der Musik voll abtanzte. Da habe ich gesagt: So will ich auch alt werden. Mit hundertjährig noch voll abtanzen und dann mal so schräg ins Grab reinrutschen.»

«Es ist schon gut für mich, aus der Schweiz zu kommen. In Deutschland und in Österreich macht das einen schon gleich einen Tick spezieller.»

Als deutschsprachige Sängerin ist Jordi auch viel in Deutschland und Österreich unterwegs und bekommt die Kulturunterschiede immer wieder zu spüren. Wo es den Norddeutschen womöglich an Humor fehlt, da haben die Schweizer vielleicht einen Tick zu viel Skepsis und Zurückhaltung abbekommen, scherzt sie. So sei es in der Schweiz schon vorgekommen, dass ein Publikum ein ganzes Konzert lang mucksmäuschenstill zuhörte. Erst, als die Sängerin das letzte Lied ankündete, hätten die Leute angefangen, wie wild nach Zugaben zu rufen. In Österreich hingegen sind die Leute meist vom ersten Ton an mit Vollgas mit dabei. Dasselbe Muster zeichnet sich bei den Journalisten ab: Die Schweizer Journalisten geben sich eher zufrieden und entschuldigen sich dann für die Störung, die deutschen Medien sind deutlich härter: «Für Informationen würden die noch ihre Grossmutter verkaufen.» Doch Jordi lacht: «Ich wäre noch gnadenloser.»

Francine Jordi beweist immer wieder ein gutes Händchen für die Medien, sie kann sich seit Anfang an auf ihr Bauchgefühl verlassen. Zu Beginn geniesst man die Aufmerksamkeit natürlich, gibt die Sängerin zu. Sie weiss aber auch ganz genau, wie schnell die Gunst der Medien kippen kann: Ein falscher Satz oder ein schlechtes Foto reichen, um wochenlang für Negativzeilen zu sorgen. Deshalb hat sie strikte Regeln aufgestellt, was sie zeigt und was nicht – so ist zum Beispiel ihr Zuhause absolut tabu. Ihr Motto: Lieber mal was zu wenig als was zu viel preisgeben. Doch in den letzten Jahren ist ein weiterer Faktor aufgetaucht; häufig wird man im Alltag erkannt und fotografiert. Medienhäuser zahlen je nach dem gutes Geld für diese Fotos. Der Schlagerstar lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen: «Man kann nicht jedem sagen: Hör auf zu fotografieren. Da wirst du niemals fertig. Heutzutage ist das einfach so, und je eher man das akzeptiert und lernt damit umzugehen, desto besser geht es dir damit.»

«Meine Mutter sagte immer: Mich musste man nie suchen, mich hat man immer gehört.»

Francine Jordi scheint dazu geboren, im Rampenlicht zu stehen. Doch war das auch schon immer der Traum? Nicht unbedingt, meint Jordi. Als Kind jodelt sie mit der Familie an Festen, ihre Beliebtheit schreibt sie der Tatsache zu, dass Kinder nicht so viel essen und sie deshalb die finanziell lukrativste Band waren. Später singt sie im Gospelchor und tritt als Solosängerin auf. Ihr Sekundarschullehrer bringt sie schliesslich auf die Idee, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, und mit 16 Jahren bewirbt sie sich am Musikkonservatorium in Neuchâtel. Parallel dazu bewirbt sie sich für eine Ausbildung zur Militärpilotin und denkt über ein Studium an der Handelsschule nach. Schliesslich entscheidet sie sich fürs Musikstudium. 1998 gewinnt sie mit Das Feuer der Sehnsucht den Grand Prix der Volksmusik, von da an geht es steil bergauf: Dreimal Gold, viermal Platin und diverse Besuche und Moderationen in Fernsehshows. Trotz allem Erfolg macht Jordi ihren Solistenabschluss am Neuenburger Konservatorium, denn sie weiss: Der Erfolg kann so schnell vorbei sein, wie er gekommen ist.

«Es gibt gewisse Künstler, von denen muss man einfach die CD haben.»

In den letzten 20 Jahren hat sich auch die Art und Weise, wie Musik gehört wird, grundlegend verändert. Auch wenn es für die Künstler finanziell nicht fair ist, kommt man heutzutage ums Streaming nicht mehr herum. Aber die Sängerin bleibt gewohnt positiv und hebt hervor, dass man ja dafür von Leuten wahrgenommen wird, die einen von sich aus nicht angehört hätten. Doch die Streamingkultur hat nicht nur die Art verändert, wie Musik gehört wird, sondern auch, wie sie produziert wird: Heute macht es keinen Sinn mehr, komplette Alben zu produzieren. Es werden nur noch Singles, flankiert von einem Werbekonzept, rausgehauen und wenn’s nicht klappt, kommt die nächste. Als Musikerin macht das Jordi traurig: All die Lieder, die man auf den Platten mehrmals hören musste, bis man merkte, dass es fantastische Songs sind, werden gar nicht mehr publiziert. Die Hörer werden viel geniale Musik verpassen, bedauert Jordi. So wird auch Noch lange nicht genug voraussichtlich das letzte Studioalbum bleiben. Dennoch kauft sie selbst weiterhin regelmässig physische Platten: «Es gibt gewisse Künstler, von denen muss man einfach die CD haben.»

Wer jetzt merkt, dass er oder sie Francine Jordi viel zu selten sieht oder hört, hat hier die Chance: Ab dem 21. Februar läuft auf TV24 Sing meinen Song. In dem Format werden während sieben Sendungen, welche von je einem Schweizer Musiker gehostet werden, sechs andere Musiker einen Song dieses Künstlers covern. Mit von der Partie sind neben Francine Jordi Stefanie Heinzmann, Ritschi, Loco Escrito, Steff La Cheffe, Seven und Marc Storace (Krokus). Alles, was ausgestrahlt wird, wurde live mit der Band aufgenommen. Es sei für alle eine grosse Herausforderung gewesen, man will ja nicht das Lied eines Kollegen verhunzen – «da singt man lieber vor zehn- oder fünfzehntausend Leuten».

Der nächste BPRG-Anlass findet am 18. März 2020 statt. An der Mitgliederversammlung werden wir unseren langjährigen Präsidenten und Freund Cla Martin «Clämu» Caflisch verabschieden.

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